Es ist fraglich, ob unter den Pionieren der ersten britischen Punkrock-Welle noch jemand zu finden ist, der in der Gegenwart derartig aktiv ist wie TV Smith. Seine Band The Adverts galt 1976 bis 1979 als eine der wichtigsten Gruppen der Szene und hatte mit „Gary Gilmore’s Eyes“ einen veritablen Hit. Doch während viele der damaligen Protagonisten mit den Jahren unter die Räder kamen, oder heute nur noch ihre alten Songs verwalten, hat TV Smith immer weiter gemacht. Mit seiner stets auch politischen Kunst ist er 2020 vielleicht wichtiger denn je.

Seit den 90ern vornehmlich auf Solopfaden unterwegs, veröffentlicht er verlässlich und in regelmäßigen Abständen seine immer bemerkenswerten, immer relevanten Alben. Er kann weltweit auf eine eingeschworene Fangemeinde zählen, die keineswegs nur aus übrig gebliebenen Punk- Veteranen besteht. Vielmehr scheint es sich in jeder neuen Generation früher oder später herumzusprechen, dass da dieser unermüdliche, einmalige Engländer durch die Weltgeschichte reist, dieser Punk-Poet mit den exzellenten, genauso lyrischen wie kritischen Texten. Bekannt für die schnörkellose Energie seiner Live-Auftritte, spielt TV Smith jährlich oft über 100 Konzerte in diversen, meist europäischen Ländern - wenn nicht gerade eine Pandemie dazwischenkommt.

Immer öfter präsentiert TV Smith seine Stücke dabei im Modus des klassischen Singer-Songwriters, also nur begleitet von seiner eigenen Akustikgitarre. Das heißt jedoch mitnichten, dass er ruhiger oder versöhnlicher geworden wäre. Im Gegenteil, seine oft wütenden, in ihrer Engagiertheit aber immer auch hoffnungsvollen Texte über die grundlegenden sozialen Missstände im Vereinigten Königreich gewinnen mit der spärlichen Instrumentierung noch an Eindringlichkeit. TV Smith besingt eine Gesellschaft, die nicht erst seit dem Brexit tief gespalten ist und deren Sozialsystem schon vor Corona bröckelte. Er tut dies zumeist aus der Perspektive der Arbeiterklasse, der er seit jeher eine Stimme gegeben hat. Es ist die Stimme der Unterprivilegierten, der vermeintlich Machtlosen, gegen die Privilegierten, die Mächtigen.

So heißt es auf seinem neuen, am 27.11.2020 erscheinenden Album „Lockdown Holiday“:

„I was already in trouble when / They took me to one side and said / There is no job left here for you / I was already a victim of / A system weighed in favour of / The rich and privileged few / Doesn’t matter anyway / It’s a lockdown holiday“.

 

 

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